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Vom Lozärner Oktoberfest zum Oktoberfest Thun – die Geschichte hinter dem erfolgreichen Thuner Oktoberfest

Schneider by Schneider
August 21, 2026
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Vom Lozärner Oktoberfest zum Oktoberfest Thun – die Geschichte hinter dem Fest von Luzern nach Thun

Die Geschichte des Oktoberfests Thun begann mit einer Begegnung in Luzern. Michel Baumann spielte früher Hockey in Thun-Lerchenfeld. Später arbeitete er bei Energie Wasser Bern und gründete dort ein Hockeyteam. Mit diesem Team ging es regelmässig ins Trainingslager nach Luzern.

Bei einem dieser Aufenthalte fiel Baumann das Luzerner Oktoberfest auf. Die Leute waren in Dirndl und Lederhosen bei der Eishalle unterwegs. Nach dem ersten Hockeytraining ging das Team direkt in das benachbarte Festzelt. So lernte Baumann die Organisatoren des Lozärner Oktoberfests kennen. Aus den Begegnungen entwickelte sich eine Freundschaft – und schliesslich die Idee, ein solches Fest auch in Thun auf die Beine zu stellen.

„2015 fand in Thun kein Thunfest statt. Daraus entstand die Idee, das Oktoberfest nach Thun zu bringen“, erzählt Michel Baumann.

Im Sommer 2015 gründeten die Thuner Unternehmer Peter Baumann, Urs Steinmann, Michael Linder, Michel Baumann, Pascal Beeri und Paul Gosteli die Oktoberfest Thun AG. Das Ziel war klar: Ein Oktoberfest sollte künftig auch in Thun stattfinden.

Die Leidenschaft fürs Organisieren wurde ihm mitgegeben

Die Begeisterung für grosse Feste und deren Organisation wurde Michel Baumann bereits in jungen Jahren mitgegeben. Sein Vater war schon beim damaligen Innenstadtfest im Organisationskomitee tätig. Als kleiner Junge erlebte Michel dadurch, wie viel Arbeit und Engagement hinter einem grossen Fest steckt.

Auch später blieb die Organisation von Veranstaltungen ein Teil seines Lebens. Bereits während seiner Schulzeit organisierte er Feste und verdiente sich mit Auftritten als DJ etwas dazu. Auch an Hochzeiten und Geburtstagen war er als DJ unterwegs.

Als Baumann erfuhr, dass 2015 in Thun kein Thunfest stattfinden würde, konnte er es kaum glauben. „Ich habe mir gesagt: Das darf jetzt nicht wahr sein.“

Kurz darauf nahm er Kontakt mit den Organisatoren des Luzerner Oktoberfests auf und fragte, ob sie mit ihrem Oktoberfest nach Thun kommen würden. Die Antwort war zunächst negativ: Die Luzerner wollten nicht expandieren und das damit verbundene Risiko nicht eingehen.

Gleichzeitig boten sie Baumann etwas Entscheidendes an: Sie stellten ihm ihr komplettes Konzept zur Verfügung – vom Festzelt und der Bestuhlung über die Ticketpreise bis hin zu Erfahrungswerten bei Mengen, Kosten und benötigter Infrastruktur.

Damit hielt Baumann plötzlich ein praktisch fertiges Konzept in den Händen. Er wusste: Das Oktoberfest funktioniert, die Atmosphäre stimmt und die Menschen haben Freude daran. Nun stellte sich die entscheidende Frage: Wie lässt sich ein solches Fest in Thun finanzieren und aufbauen?

Baumann war von Anfang an überzeugt, dass das Oktoberfest eine möglichst breite Unterstützung in der Bevölkerung braucht. Je mehr Menschen hinter dem Anlass stehen, Werbung dafür machen und selbst teilnehmen, desto grösser wird das Netzwerk.

„Der kennt den und der kennt den – das kennen wir ja alle.“

Und so kam ihm der nächste Gedanke: Sport.

Sport als Schlüssel zum Netzwerk

Baumann dachte an die starke Sportlandschaft in Thun. „Schauen wir uns das an: Wir haben eine NLA-Fussballmannschaft, eine NLA-Handballmannschaft und eine NLA-Unihockeymannschaft – damals in der NLA, heute in der NLB. Dazu kommt eine Eishockeymannschaft in der 1. Liga, also in der höchsten Amateurliga, jetzt MySports League.“

Für Baumann war schnell klar: Wenn es gelingt, diese Vereine für das Oktoberfest zu gewinnen, könnte daraus ein starkes Netzwerk entstehen. Die grossen Thuner Sportvereine sollten nicht nur als Partner gewonnen werden, sondern gleichzeitig mit ihrem Bekanntheitsgrad und ihren Netzwerken zum Erfolg des neuen Anlasses beitragen.

So entstand die Grundlage für die spätere Zusammenarbeit mit dem FC Thun, Wacker Thun, EHC Thun und UHC Thun.

Die Finanzierung

Mit der Idee allein war es allerdings noch nicht getan. Baumann wusste: Für die Gründung einer AG braucht es entsprechendes Kapital und eine solide finanzielle Grundlage.

„Wenn du mit einer AG zu tun hast, weisst du, dass die staatlich kontrolliert wird. Es muss Substanz vorhanden sein, sonst ist die AG Konkurs. Ganz einfach“, erklärt Baumann.

Also stellte er sich die Frage: Wie lassen sich die benötigten 100’000 Franken Startkapital aufbringen?

„Ich habe keinen Gelddrucker zu Hause“, sagt Baumann mit einem Augenzwinkern.

Seine Idee war einfach: Er wollte Kollegen finden, die bereit waren, jeweils 10’000 Franken einzubringen. Dazu sollten stille Sponsoren gewonnen werden, die das Projekt ebenfalls mit jeweils 10’000 Franken als zinsloses Darlehen über drei Jahre unterstützen.

Damit wäre das notwendige Kapital zusammengekommen und die Oktoberfest Thun AG hätte gegründet werden können.

„Dann habe ich in meinem Kollegenkreis angefangen, herumzufragen – bei denen, von denen ich dachte, dass sie potenzielle Leute dafür wären.“

Ein Netzwerk aus Generationen und Unterstützern

Bei der Suche nach Mitstreitern setzte Michel Baumann bewusst auf verschiedene Generationen und deren Netzwerke.

„Mein Vater und Urs Steinmann haben die ältere Generation mit ihrem riesigen Netzwerk abgedeckt.“

Kurz vor der Gründung kam mit Paul Gosteli noch ein weiterer wichtiger Mitstreiter dazu. Auch er verfügte über ein grosses persönliches Netzwerk.

Schliesslich war das Gründungsteam komplett.

Zusätzlich konnten zwei wichtige Unterstützer gewonnen werden.

Einer davon war die Sicherheitsfirma Gentle Guard, die seither auch für die Security am Oktoberfest Thun verantwortlich ist. Den Kontakt hatte Baumann über den FC Thun erhalten, wo Gentle Guard damals für die VIP-Security zuständig war.

Baumann stellte dem damaligen Verantwortlichen Andy Locher das Konzept vor. „Er sagte mir später: Du bist damals bei mir ins Büro gekommen, ich kannte dich überhaupt nicht und so etwas hatte ich vorher noch nie gemacht.“

Locher liess sich von Baumanns Begeisterung und Überzeugung anstecken. Er hatte selbst Erfahrungen mit Veranstaltungen und Openairs gesammelt und erkannte das Potenzial des Projekts.

„Du hattest eine solche Überzeugung und eine so positive Art – ich konnte gar nicht anders und habe gesagt: Komm, das machen wir.“

Als weiterer Unterstützer kam Jürg Rieben von Intersport Rieben dazu. Baumann kannte ihn ebenfalls aus seinem persönlichen Umfeld und vom gemeinsamen Engagement im Löschzug Thun. Auch Rieben war von der Idee begeistert.

So entstand Schritt für Schritt ein Netzwerk aus Unternehmern, Sportlern, Veranstaltern und langjährigen persönlichen Kontakten – genau das Netzwerk, auf das Michel Baumann von Beginn an gesetzt hatte.

Eine Partnerschaft, von der alle profitieren

Parallel dazu nahm Baumann Kontakt mit der Stadionarena beziehungsweise dem Umfeld des FC Thun auf, das für die Vermarktung des Stadions zuständig war. Auch dort stiess die Idee auf Interesse.

Die vier grossen Thuner Sportvereine FC Thun, Wacker Thun, EHC Thun und UHC Thun wurden angefragt, wie sie zu einer Partnerschaft mit dem Oktoberfest stehen würden. Später kamen auch die Thun Tigers dazu.

Das Prinzip war einfach: Je mehr Besucherinnen und Besucher über einen Sportverein ans Oktoberfest kommen, desto stärker profitiert auch der Verein finanziell. Ein Teil der Einnahmen wird an die beteiligten Sportvereine weitergegeben.

„Wir wollten von Anfang an zeigen: Wir unterstützen den Sport“, erklärt Baumann.

Die Idee kam bei den Vereinen gut an. Alle vier Vereine sagten relativ schnell zu und erklärten sich bereit, das Oktoberfest zu unterstützen.

2016 war es endlich so weit

Nach rund einem Jahr Vorbereitung konnte 2016 erstmals das Oktoberfest Thun durchgeführt werden. Für den Zeltbau und die Infrastruktur konnte auf ein professionelles Konzept zurückgegriffen werden, das bereits auf einem hohen Niveau funktionierte. Am Standort in Thun musste vieles entsprechend angepasst und umgesetzt werden.

Die WC-Anlagen befanden sich im Bereich des Stadions, während im hinteren Bereich des Festzelts eine Garderobe eingerichtet wurde.

Doch gerade bei der Besucherführung zeigte sich schnell, dass noch einiges gelernt werden musste.

„Wir haben den Zuschauerstrom am Anfang eigentlich falsch gelenkt. Die Leute sind gar nie bis nach hinten gelaufen. Dann haben sie ihre Kleider einfach auf die Bänke gelegt, obwohl wir eigentlich eine Garderobe hatten“, erinnert sich Baumann.

Für das Organisationsteam ging es zunächst vor allem darum, dass die grundlegenden Dinge funktionierten: genügend Strom, ausreichend Essen + Trinken, gute Musik und ein angenehmes Klima im Zelt.

Gerade die Temperatur und die Heizung stellten das Team vor Herausforderungen. Wenn das Zelt mit 700 oder 800 Personen nur halb gefüllt war, liess sich die Wärme nicht einfach halten. Gleichzeitig konnte sich durch die Temperaturunterschiede Feuchtigkeit im Zelt bilden.

„Wenn du die Feuchtigkeit nicht herausbringst, wird der Boden feucht. Dann musst du wieder lüften, dadurch wird es kalt – und die Leute wollen es natürlich warm haben. Wenn es wieder warm wird, kommt die Feuchtigkeit zurück.“

Hinter den Kulissen wurde deshalb ständig gearbeitet, organisiert, korrigiert und improvisiert. Für die Besucherinnen und Besucher sollte davon möglichst wenig zu spüren sein.

„Du bist hinten am Machen, Organisieren ohne Ende. Aber das Ziel muss eigentlich sein, dass die Gäste das gar nicht merken.“

Der ausverkaufte Samstag – die beste Werbung

Bereits bei der ersten Austragung zeigte sich, welches Potenzial im Oktoberfest Thun steckte. Am ersten Wochenende war der Samstagabend ausverkauft.

Um 16 Uhr öffneten sich die Türen des Festzelts. Um 17 Uhr begannen die Blaumeisen mit ihrer Musik. Nur 15 Minuten später standen rund 1’400 Gäste auf den Bänken und sorgten für eine unglaubliche Stimmung.

Auch der Bandleader der Blaumeisen zeigte sich beeindruckt. „Das habe ich noch nie gesehen“, soll er angesichts der vollen Bänke gesagt haben.

Für das Organisationsteam war dieser Abend ein riesiger Erfolg. Die Stimmung war ausgelassen, fröhlich und friedlich.

„Eine Riesenstimmung, wirklich eine fröhliche, gute Party“, erinnert sich Baumann.

Der ausverkaufte Samstag wurde zur besten Werbung, die sich das Oktoberfest Thun überhaupt wünschen konnte. Die rund 1’400 Besucherinnen und Besucher gingen nach Hause und erzählten ihren Freunden und Bekannten von diesem besonderen Abend. Diese wiederum erzählten es weiter.

Mund-zu-Mund-Propaganda wurde zum wichtigsten Marketinginstrument.

„Die 1’400 Leute sind nach Hause gegangen und haben es ihren Kollegen erzählt – und die haben es wieder anderen erzählt.“

So konnte das Oktoberfest vom ersten über das zweite bis ins dritte Jahr sein Werbebudget praktisch auf null reduzieren. Der Anlass hatte sich seine eigene Werbung geschaffen.

Der neue Standort: Parkplatz P8 an der Allmendstrasse

Bei der Wahl des Veranstaltungsortes war von Anfang an klar: Ein solches Fest kann nicht einfach irgendwo auf einer Wiese stattfinden. Die Lage ist entscheidend – für die Besucherinnen und Besucher, den öffentlichen Verkehr, die Erreichbarkeit und natürlich auch für die Kosten.

„Du kannst nicht einfach auf irgendeinem Grund ein Fest machen. Die beste Location und das beste Fest können nicht überleben, wenn der Standort irgendwo abseits liegt“, erklärt Baumann.

Zwischenzeitlich wurde auch geprüft, das Oktoberfest ausserhalb der Stadt durchzuführen. Von der Lage her wäre das attraktiv gewesen, weil man kaum Anwohner gestört hätte. Gleichzeitig wären die Anbindung an den öffentlichen Verkehr, die Zufahrt, die Parkplätze und die gesamte Infrastruktur grosse Herausforderungen gewesen. Auch finanziell wäre ein solcher Standort kaum tragbar gewesen.

Mit dem neuen Standort auf dem Parkplatz P8 an der Allmendstrasse in Thun hat sich vieles verändert. Für die Umsetzung arbeitete das OK eng mit verschiedenen Partnern und Stellen zusammen. Viele Beteiligte unterstützten das Projekt und halfen dabei, die neue Infrastruktur aufzubauen.

Heute überwiegen für Baumann die Vorteile des neuen Standorts klar gegenüber den Nachteilen des früheren Platzes beim Stadion.

Der grösste Nachteil ist der finanzielle Mehraufwand. Dieser konnte unter anderem durch eine Anpassung der Ticketpreise aufgefangen werden. Die aktuellen Reservationen zeigen laut Baumann zudem, dass die Besucherinnen und Besucher den neuen Standort akzeptieren.

Auch für das OK bedeutet der neue Standort etwas mehr Arbeit. Der Aufbau ist aufwendiger und benötigt zusätzliche Arbeitsstunden. Dafür gibt es deutliche Verbesserungen bei der Infrastruktur.

Ein grosser Vorteil ist der aufgebaute Boden. Regen und Feuchtigkeit stellen dadurch kein vergleichbares Problem mehr dar wie früher. Auch bei den sanitären Anlagen wurde deutlich aufgerüstet. Es gibt heute mehr als doppelt so viele Frauen-WCs wie am früheren Standort.

„In einem Fussballstadion sind Frauen-WCs einfach Mangelware. Heute haben wir mehr als doppelt so viele. Das kostet zwar mehr, aber weil rund die Hälfte unserer Gäste Frauen sind, haben wir gerade von den Frauen sehr positive Rückmeldungen erhalten.“

Ein weiterer wichtiger Punkt: Am neuen Standort gibt es keine direkten Nachbarn.

Am früheren Standort beim Stadion kam es immer wieder zu Spannungen mit Anwohnern. Für Baumann ist nachvollziehbar, dass sich die Belastung aus Stadionbetrieb, Fussballspielen, Verkehr und zusätzlichen Veranstaltungen irgendwann summiert.

„Es ist die Summe aller Belastungen. Wenn jedes zweite Wochenende Fans unterwegs sind, Autos kommen und dazu noch Veranstaltungen stattfinden, bei denen bis spät Musik läuft, kann man verstehen, dass es für die Anwohner irgendwann zu viel wird.“

Gleichzeitig hofft Baumann auf die Akzeptanz der Bevölkerung und darauf, dass dem Anlass nicht unnötig Steine in den Weg gelegt werden. Ein Fest dieser Grösse bringe zwangsläufig gewisse Emissionen und Geräusche mit sich. Entscheidend sei ein gegenseitiges Verständnis.

Der neue Standort bringt deshalb nicht nur mehr Platz und eine bessere Infrastruktur, sondern auch mehr Ruhe im direkten Umfeld – und damit gute Voraussetzungen für die Zukunft des Oktoberfests Thun.

Oktoberfest Thun 2026

Adresse: Parkplatz P8, Allmendstrasse / General-Wille-Strasse, 3600 Thun

Daten 2026: 15. bis 17. Oktober sowie 23. und 24. Oktober 2026

Festzelt: Grosses Festzelt mit über 1’400 Sitzplätzen im bayrischen Stil

Text: Reto Schneider, Regiobeo

Bilder: Oktoberfest Thun

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Comments 2

  1. Peter Baumann says:
    1 Woche ago

    Super Bericht, alles klar und authentisch geschrieben. Ich lernte den Autor am „Tag der offenen Tür“ des Männerchor Thuns kennen. Er ist ein begnadeter Journalist, der nicht über Katastrophen, sondern über positive Ereignisse berichtet!

    Antworten
    • Schneider says:
      1 Woche ago

      Besten Dank, Herr Baumann. Ich bedanke mich herzlich für die netten Worte, das freut mich sehr.

      Freundliche Grüsse
      Reto Schneider
      Regiobeo

      Antworten

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