Von Fideln und Meistergeigen – Geigenbau zum Sehen, Hören und Anfassen
Wie entsteht eigentlich eine Geige? Warum entwickelte sich der Geigenbau in der Schweiz anders als in Italien, Frankreich oder Deutschland? Und wie klingt Musik, die auf Schweizer Instrumenten gespielt wird?
Die Dauerausstellung «Von Fideln und Meistergeigen» an der Schweizer Geigenbauschule in Brienz lädt dazu ein, diesen Fragen auf anschauliche und sinnliche Weise nachzugehen. Die Ausstellung verteilt sich auf zwei Räume und verbindet Geschichte, Handwerk und Musik.
Im ersten Raum steht die Kunst des Geigenbaus im Mittelpunkt. Besucherinnen und Besucher erfahren, welches Holz sich für den Bau einer Geige eignet, wie ein Instrument konstruiert wird und welche Bedeutung Lacke und Leime haben. Zu sehen sind Instrumente und Werkstücke, die an der Geigenbauschule entstehen.
Filme geben Einblicke in den Alltag der Schule und begleiten die Lernenden sogar bis in den Wald – auf der Suche nach dem richtigen Baum für ein Instrument. Auch an Werktagen besteht häufig die Möglichkeit, einem Geigenbauer oder einer Geigenbauerin über die Schulter zu schauen und mitzuerleben, wie aus einzelnen Holzstücken Schritt für Schritt eine Geige entsteht.
Geigenbau wird hier im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar: Materialien und Arbeitsschritte lassen sich aus nächster Nähe entdecken. Ein Kontrabass lädt zudem zum eigenen Ausprobieren ein.
Die Geschichte des Schweizer Geigenbaus
Der zweite Raum widmet sich dem Schweizer Geigenbau und seiner besonderen Geschichte. Diese verlief anders als in den grossen europäischen Zentren des Instrumentenbaus.
Während in Italien, Deutschland oder Frankreich bereits in der Barockzeit berühmte Geigenbauer wirkten und Instrumente entstanden, die bis heute als Meisterwerke gelten, wurde die musikalische Entwicklung in Teilen der Schweiz durch Musik- und Tanzverbote bis weit ins 18. Jahrhundert hinein gebremst.
Gerade daraus entwickelte sich jedoch eine eigenständige und überraschend vielfältige Tradition. Die Geige war lange das «Instrument des kleinen Mannes»: vergleichsweise leicht zu transportieren, vielseitig einsetzbar und fester Bestandteil der ländlichen Tanz- und Volksmusik.
Später wurden die traditionellen Streichensembles vielerorts vom Schwyzerörgeli und von Blasmusikformationen verdrängt. Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung nach und zeigt, weshalb die Geschichte der Schweizer Streichmusik und des Schweizer Geigenbaus gerade wegen ihrer Eigenheiten so spannend ist.
Digitale Vertiefungsebenen ergänzen die ausgestellten Objekte mit Hintergrundinformationen, Bildern und weiterführenden Geschichten. Und die Ausstellung ist auch hörbar: Zahlreiche Musikbeispiele lassen Schweizer Musik sowie Werke von Schweizer Komponistinnen und Komponisten erklingen.
So wird «Von Fideln und Meistergeigen» zu weit mehr als einer klassischen Vitrinenausstellung. Hier kann man sehen, hören, berühren und beobachten – und erhält einen unmittelbaren Eindruck davon, wie viel Wissen, Erfahrung und Geduld in einem Streichinstrument steckt.
Von Fideln und Meistergeigen
Ausstellung über die Geige in der Schweiz und die Kunst, Geigen zu bauen
Öffnungszeiten:
Mittwoch und Freitag: 14.00–16.00 Uhr
Samstag: 11.00–15.00 Uhr
Schweizer Geigenbauschule Brienz
Oberdorfstrasse 94
3855 Brienz
Tel. +41 (0)33 951 18 61
info@geigenbauschule.ch
www.geigenbauschule.ch
Quelle und Bilder: Geigenbauschule Brienz














