Interview mit Frau Zaugg von der Drogerie Chartreuse
Isabelle Zaugg führt die Drogerie Chartreuse seit dem Jahr 2020. Die Drogerie selbst besteht jedoch bereits seit vielen Jahren. Ursprünglich befand sie sich an einem anderen Standort, bevor sie ins Marina-Haus umzog.
Vor rund sechs Jahren wurde die Drogerie von einem Ehepaar übernommen. Seither wurde das Geschäft laufend weiterentwickelt. Nach der Übernahme durch Frau Zaugg erfolgte bereits im Jahr 2022 eine erste Vergrösserung. Damals konnte sie zusätzlich den ehemaligen Kiosk im Marina-Haus übernehmen und in die Drogerie integrieren.
Im Jahr 2024 wurde die Drogerie Chartreuse schliesslich vollständig umgebaut und modernisiert. Heute präsentiert sich das Fachgeschäft in einem zeitgemässen Ambiente und bietet seinen Kundinnen und Kunden ein erweitertes Angebot.
Frau Zaugg, wie kam es dazu, dass Sie die Drogerie übernommen haben?
Eigentlich war es eher Zufall – oder rückblickend betrachtet grosses Glück. Das damalige Besitzer-Ehepaar fragte mich eines Tages, ob ich Interesse hätte, die Drogerie Chartreuse zu übernehmen. Zuerst hielt ich die Frage für einen Scherz und antwortete ebenfalls scherzhaft. Doch daraus entwickelte sich etwas Ernstes.
Der Schritt in die Selbstständigkeit war natürlich ein Wagnis. Da ich zuvor bereits als Geschäftsführerin einer anderen Drogerie tätig war, konnte ich jedoch auf wertvolle Erfahrungen zurückgreifen. Rückblickend war die Übernahme die richtige Entscheidung.
Ihr Sortiment umfasst weit mehr als klassische Drogerieartikel. Wie ist dieses Konzept entstanden?
Unser Sortiment ist über viele Jahre gewachsen. Natürlich führen wir die klassischen Drogerieprodukte wie Arzneimittel, Naturheilmittel und Naturkosmetik. Gleichzeitig möchten wir unseren Kundinnen und Kunden den Weg in die Stadt ersparen. Deshalb bieten wir ein breites und vielseitiges Sortiment mit vielen besonderen Produkten an.
Ein besonderes Highlight ist Ihre Thunerseewasser-Linie. Wie ist diese entstanden?
Alles begann mit einem eigens entwickelten Tee, der eine wunderschöne blaue Farbe wie der Thunersee hat. Gibt man etwas Zitronensaft dazu, verfärbt sich der Tee violett – ein kleiner magischer Effekt, der besonders bei Kindern gut ankommt.
Aus dieser Idee entstand nach und nach eine ganze Produktlinie. Heute gehören unter anderem Duschschaum, Bodylotion, Handcreme, Seifen, ein Likör sowie T-Shirts dazu. Schon bald werden auch passende Socken erhältlich sein.
In Ihrem Geschäft gibt es zudem wechselnde Ausstellungen regionaler Produkte. Wie funktioniert dieses Konzept?
Wir verfügen über einen kleinen Pop-up-Bereich, der ungefähr jeden Monat wechselt. Dort erhalten kreative Menschen aus der Region die Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren. Dabei handelt es sich nicht um grosse Firmen, sondern meist um Privatpersonen mit einem besonderen Hobby oder selbst hergestellten Produkten.
Aktuell sind beispielsweise handgefertigte Bikinis aus Thun ausgestellt. Im nächsten Monat präsentiert die Arbeitsintegration ihre selbst gefertigten Produkte. Unser Ziel ist es, regionalen Produzentinnen und Produzenten eine Plattform zu bieten, auch wenn sie kein eigenes Geschäft besitzen.
Wie gross ist Ihr Team heute?
Aktuell besteht unser Team aus neun Mitarbeitenden, darunter drei Lernende. Die Ausbildung junger Berufsleute liegt uns sehr am Herzen. Ursprünglich war geplant, nur alle zwei Jahre eine lernende Person aufzunehmen. Mit der Zeit hat sich jedoch ergeben, dass wir gleichzeitig drei Lernende ausbilden – und das funktioniert sehr gut.
Da wir viele Produkte selbst herstellen, ist unser Labor täglich in Betrieb. Dadurch gibt es stets genügend abwechslungsreiche Arbeiten, bei denen die Lernenden wertvolle praktische Erfahrungen sammeln können.
Erhalten Sie genügend Bewerbungen für die Lehrstellen?
Ja, sogar sehr viele. Mittlerweile haben wir eher das Luxusproblem, dass wir uns zwischen zahlreichen sehr guten Bewerberinnen und Bewerbern entscheiden müssen. Das freut uns sehr und zeigt, dass sowohl der Beruf als auch unsere Drogerie als Ausbildungsbetrieb attraktiv sind.
Welche Wünsche und Pläne haben Sie für die Zukunft?
Für mich persönlich stehen durch meine Schwangerschaft einige Veränderungen bevor. Ich werde während einer gewissen Zeit nicht vollständig vor Ort sein, weshalb das Team noch mehr Verantwortung übernehmen wird.
Ich wünsche mir, dass sich unser Geschäft weiterhin so positiv entwickelt wie bisher. Besonders wichtig ist mir, dass wir auch künftig an regionalen Veranstaltungen teilnehmen können. Diese Events bringen Abwechslung in den Arbeitsalltag, ermöglichen spannende Begegnungen und machen einfach Freude.
Natürlich möchten wir auch unsere Thunerseewasser-Linie weiter ausbauen und neue Ideen verwirklichen. Unser Ziel ist es, unseren Kundinnen und Kunden auch in Zukunft innovative, regionale und besondere Produkte anbieten zu können.
Das Team der Drogerie Chartreuse
Die Drogerie Chartreuse ist ein engagiertes und kreatives Team, das mit viel Leidenschaft und Fachwissen für seine Kundinnen und Kunden da ist. Im Mittelpunkt stehen die persönliche, individuelle Beratung sowie kompetente Unterstützung in den Bereichen Gesundheit, Schönheit und Ernährung.
Ein besonderes Merkmal der Drogerie ist die Herstellung eigener, hochwertiger Produkte. Mit viel Erfahrung und Sorgfalt entwickelt das Team moderne Rezepturen und setzt dabei auf Qualität und Regionalität.
Ergänzt wird das Angebot durch die BUTIK im ersten Stock. Dort finden Besucherinnen und Besucher eine liebevoll zusammengestellte Auswahl an Karten, Servietten, Kerzen sowie stilvollen Deko- und Geschenkartikeln.
Die Geschichte hinter dem Namen «Chartreuse»
Der Name «Chartreuse» ist in Hünibach und Hilterfingen allgegenwärtig – vom Kreisel über Geschäfte bis hin zu Strassen. Sein Ursprung reicht mehr als 200 Jahre zurück.
Im Jahr 1819 gab der Berner Staatsmann und Historiker Niklaus Friedrich von Mülinen seinem Landsitz den Namen «La Chartreuse». Damit erinnerte er an die ehemalige Kartause der Kartäusermönche von Thorberg, die sich einst an diesem Ort befand. Das Anwesen entwickelte sich zu einem bedeutenden Treffpunkt für Politik und Kultur und beherbergte damals die grösste private Bibliothek der Schweiz.
Ende des 19. Jahrhunderts liess Baron Moritz Kurt von Zedtwitz oberhalb des alten Landsitzes das prachtvolle Schloss Chartreuse errichten. Nach seinem tragischen Tod bei einem Segelunfall wurde der Bau zunächst gestoppt und später vollendet. Das Schloss war jedoch nur rund acht Jahre bewohnt – und dies lediglich von zwei Personen.
Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das Anwesen parzelliert. Im Jahr 1941 liess die damalige Eigentümerin den markanten Mittelteil des Schlosses sprengen. Heute erinnern nur noch wenige Überreste sowie Strassen- und Ortsnamen wie die Chartreusestrasse oder die Bushaltestelle Chartreuse an das einst imposante Schloss.
Die heutige Drogerie Chartreuse trägt diesen traditionsreichen Namen weiter und verbindet regionale Geschichte mit modernem Drogistenhandwerk, persönlicher Beratung und viel Leidenschaft.
Text: Reto Schneider, Regiobeo.ch
Bilder: Drogerie Chartreuse













