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Home Verein

Weltrekord am Niesen: Feuerwehrleute bezwingen 11’674 Stufen in Vollmontur

Schneider by Schneider
Juni 24, 2026
in Verein
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Weltrekord auf Schweizer Boden: Feuerwehrleute bezwingen die Niesentreppe in Vollmontur

Der Niesen im Berner Oberland ist alles andere als ein gewöhnlicher Ausflugsberg. Mit seinen 2362 Metern über Meer erhebt er sich majestätisch über dem Thunersee. Wer den Gipfel über die berühmte Niesentreppe erreichen will, muss 11’674 Stufen und 1669 Höhenmeter überwinden. Die entlang der Niesenbahn verlaufende Treppe gilt als die längste der Welt – ein eindrückliches Bauwerk und eine Herausforderung der besonderen Art.

Genau dieser Herausforderung stellten sich in der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 2026 sieben Mitglieder des Atemschutz Sportclub Schweiz (ASSCS). Ihr Ziel: Die gesamte Niesentreppe in voller Feuerwehr-Einsatzbekleidung, mit Atemschutzmaske und Atemluftflasche auf dem Rücken zu bewältigen. Rund 25 Kilogramm zusätzliche Last trug jede Person – unter Bedingungen, die einem realen Feuerwehreinsatz entsprechen.

Gründliche Vorbereitung

Bereits am Morgen des 4. Juni traf ein Vorausteam bei der Talstation der Niesenbahn ein. Insgesamt 105 Atemluftflaschen sowie weiteres Material mussten organisiert, bereitgestellt und entlang der Strecke geplant werden. Die Helfer inspizierten die Route, definierten Übergabepunkte und bereiteten den Rekordversuch minutiös vor.

Am Nachmittag stiessen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu. Nach dem letzten Briefing und den abschliessenden Vorbereitungen wurde es ernst.

Start in die Nacht

Um 19.12 Uhr machten sich Florian Wettstein, Matthias Brunner, Marco Zobrist, Stefan Suter, Luigia Giroud, Dominik Nussbaum und Fredi Arpagaus auf den Weg. Vor ihnen lagen 11’674 Stufen, Dunkelheit und viele Stunden körperlicher Höchstleistung.

Unter Atemschutz zu laufen bedeutet eine enorme Belastung. Die Maske erschwert die Atmung, die schwere Schutzbekleidung verhindert die Wärmeabgabe und die zusätzliche Last fordert Muskeln und Gelenke bei jedem einzelnen Schritt.

Zum Vergleich: Elite-Bergläufer bewältigen die Niesentreppe beim offiziellen Treppenlauf in weniger als einer Stunde. Geübte Wanderer benötigen ohne Zusatzgewicht rund fünf Stunden. Was das ASSCS-Team an diesem Abend leistete, bewegt sich in einer ganz anderen Dimension.

Gemäss Vorgaben des Rekord-Instituts waren alle 30 Minuten fünf Minuten Pause erlaubt. Diese dienten jedoch weniger der Erholung als vielmehr dem kurzen Sammeln neuer Kräfte für den nächsten Abschnitt.

Kampf gegen Berg, Wetter und Erschöpfung

Mit zunehmender Höhe wurde die Belastung immer grösser. Stefan Suter musste den Versuch aufgrund von Knieproblemen vorzeitig beenden. Dennoch hatte er bis zu seinem Ausstieg bereits eine Leistung erbracht, die bestehende Bestmarken übertraf.

Die übrigen sechs Teammitglieder setzten ihren Weg unbeirrt fort. Die Niesentreppe kennt keine flachen Abschnitte und keine Erleichterungen. Jeder Höhenmeter fordert Konzentration, Ausdauer und Willenskraft.

Kurz vor dem Ziel verschärften sich die Bedingungen zusätzlich. Schnee, Wind und sinkende Temperaturen machten den letzten Abschnitt zur besonderen Herausforderung. Doch ans Aufgeben dachte niemand.

Um 00.26 Uhr war das Ziel erreicht

Nach einer reinen Laufzeit von lediglich 4,5 Stunden erreichten die sechs verbliebenen Teilnehmer den Gipfel. Damit blieben sie deutlich unter den intern erwarteten sechs bis acht Stunden.

Von den mitgeführten 15 Atemluftflaschen pro Person wurden durchschnittlich neun benötigt. Auf dem Gipfel überwogen Freude, Stolz und Erleichterung. Gleichzeitig war die enorme Anstrengung allen Beteiligten deutlich anzusehen.

Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde das gesamte Material wieder verladen, bevor sich das Team in den frühen Morgenstunden auf den Heimweg machte.

Teamgeist als Schlüssel zum Erfolg

Für ASSCS-Präsident Florian Wettstein steht nicht allein der Rekord im Mittelpunkt:

«Was mich am meisten bewegt, ist nicht der Weltrekord selbst. Es ist der Zusammenhalt, den ich erleben durfte. Zu sehen, wie Menschen füreinander einstehen und niemals aufgeben, selbst wenn der Weg steil wird.»

Auch Luigia Giroud, die einzige Frau im Team, hebt den besonderen Zusammenhalt hervor:

«Es macht mich stolz, Teil dieses Teams zu sein. Mein Geschlecht spielte nie eine Rolle – entscheidend waren Respekt, Zusammenhalt und das gemeinsame Ziel.»

Marco Zobrist bringt die Motivation auf den Punkt:

«Man macht es nicht wegen der Anstrengung unterwegs, sondern für die Herausforderung und das Gefühl, das einen oben erwartet.»

Vier Weltrekorde seit der Gründung

Der Atemschutz Sportclub Schweiz wurde 2018 gegründet und hat seither vier Weltrekorde unter realen Einsatzbedingungen aufgestellt. Ziel des Vereins ist es, nicht nur sportliche Grenzen zu verschieben, sondern auch auf die aussergewöhnlichen Leistungen von Feuerwehr-Atemschutzträgerinnen und -trägern aufmerksam zu machen.

Ohne Helfer kein Rekord

Zum Erfolg trugen nicht nur die Teilnehmer bei. Ein engagiertes Support-Team versorgte die Läufer während der gesamten Nacht mit frischen Atemluftflaschen, Verpflegung und logistischer Unterstützung. Ohne diesen Einsatz im Hintergrund wäre der Rekordversuch nicht möglich gewesen.

Offizielle Bestätigung steht noch aus

Die formelle Anerkennung durch das Rekord-Institut steht derzeit noch aus. Die Prüfung der Unterlagen und die Ausstellung der offiziellen Urkunde dauern üblicherweise mehrere Wochen. Der ASSCS ist jedoch überzeugt, sämtliche Anforderungen vollständig erfüllt zu haben.

Bereits steht die nächste Herausforderung bevor: Am 10. Oktober 2026 will Luigia Giroud den Hallwilerseelauf – einen Halbmarathon – in voller Feuerwehrmontur und unter Atemschutz absolvieren.

Beim ASSCS gilt: Nach dem Rekord ist vor dem Rekord.

Text: ASSCS – Atemschutz Sportclub Schweiz (Deborah Furter)
Fotos: ASSCS

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