Daniel Mezger liest in Mürren aus «Bevor ich alt werde»
Am Samstag, 18. Juli, war der Schweizer Autor und Musiker Daniel Mezger zu Gast im Hotel Regina in Mürren. Im Rahmen der Lesung stellte er seinen aktuellen Roman «Bevor ich alt werde» vor und erzählte im anschliessenden Gespräch mit Regina Dürig über die besondere Bedeutung von Musik in seinem Schreiben.
Musik als Setting, Figur und Sound
In «Bevor ich alt werde», erschienen 2025 im Atlantis Verlag, verbindet Mezger eine Geschichte über Jugend, Freiheit, Familie und die Suche nach dem eigenen Weg mit einer starken musikalischen Ebene.
Im Mittelpunkt steht Charlotte, genannt Charlie, ein junges Mädchen aus Hanover in Ontario. Sie spielt Gitarre in einer Band und träumt gemeinsam mit ihren Freunden vom musikalischen Durchbruch. Gleichzeitig ist ihre Familie mit einer schweren erblichen Krankheit konfrontiert. Ihre Mutter hat sich bereits mit der Diagnose auseinandergesetzt – und auch Charlotte muss sich mit der Frage beschäftigen, ob sie selbst betroffen sein könnte.
Doch Charlie will sich nicht von dieser Angst bestimmen lassen. Sie möchte frei sein, Musik machen und ihr eigenes Leben führen. Ihre erste Platte entsteht, und plötzlich scheinen Toronto, Detroit und Berlin zum Greifen nah.
Der Rhythmus der Sprache
Im Gespräch mit Regina Dürig gab Daniel Mezger Einblicke in seine Arbeitsweise. Als Musiker spielt der Klang und Rhythmus von Sprache für ihn eine besondere Rolle.
«Wir lernen ja in der Schule, dass wir Wortwiederholungen vermeiden sollen. Aber gerade Wiederholungen sind das, womit sich ein Rhythmus gestalten lässt», erklärte Mezger.
Beim Schreiben einzelner Szenen habe er deshalb nicht nur Bilder, sondern auch Musik im Kopf. Den Beginn des Romans stellte er sich beispielsweise als ein einziges langes Schlagzeugsolo vor – drängend, flächig und mit stetigem Takt.
Diese musikalische Herangehensweise ist auch in seiner Prosa spürbar. Kurze Sätze, Wiederholungen und Dialoge verleihen dem Text einen eigenen Rhythmus und lassen die Geschichte beinahe wie einen Song wirken.
Vom Musiker zum Autor
Mezger erzählte auch von seinen eigenen Anfängen. Ursprünglich kam er über die Musik zum Schreiben. Als Sänger einer Teenie-Band benötigte er Texte, die sich singen liessen. Später wechselte die Bühne: Er begann, zahlreiche Texte für das Theater zu schreiben.
«Ich komme aus der Mündlichkeit», sagte Mezger. Diese Herkunft ist auch in seinen Romanen spürbar. Seine Figuren sprechen nicht immer in grammatikalisch vollständigen Sätzen – genauso, wie Menschen im Alltag miteinander reden.
Gerade diese natürliche Sprache trägt wesentlich zum besonderen Sog seiner Texte bei. Die Dialoge wirken unmittelbar und geben der Geschichte einen eigenen Puls.
Über Daniel Mezger
Daniel Mezger, Jahrgang 1978, wuchs im Kanton Glarus auf. Nach einer Schauspielausbildung in Bern arbeitete er mehrere Jahre an Theatern und vor der Kamera in Deutschland. Anschliessend studierte er am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, wo er heute auch unterrichtet.
Neben seiner Tätigkeit als Theater- und Prosaautor ist Mezger Sänger einer Indieband. «Bevor ich alt werde» ist sein dritter Roman. Sein Debüt «Land spielen» erschien 2012 und wurde von der Kritik mit Begeisterung aufgenommen.
Hotel Regina Mürren – Hotel, Bar und Kultur in Mürren
Daniel Mezger lebt heute in Zürich.
Quelle: Daniel Mezger bei der Lesung im Hotel Regina, Mürren
Fotocredit: © Ayse Yavas













