Vom kleinen Kleidertausch zum beliebten Kleidertausch – die 20. Ausgabe wird gefeiert!
Was einst als kleine Idee im eigenen Atelier begann, hat sich über die Jahre zu einem beliebten Kleidertausch entwickelt. Die Grundidee war ebenso einfach wie nachhaltig: Was einer Person nicht mehr gefällt oder nicht mehr passt, kann für jemand anderen genau das Richtige sein.
Der Auslöser dafür war Lydia Aeschlimann, die als Farb- und Modestilberaterin arbeitete. Wenn Frauen Kleidungsstücke oder Accessoires in einer für sie ungeeigneten Farbe gekauft hatten und diese anschliessend nicht mehr tragen wollten, entstand die Idee, diese untereinander zu tauschen. So konnten beispielsweise Foulards und andere Accessoires weitergegeben werden, anstatt ungenutzt im Schrank zu liegen. Aus dieser Idee entstand der erste kleine Kleidertausch.
Am Anfang standen vor allem Foulards und Accessoires im Mittelpunkt. Doch bereits danach wurden auch Jeans und weitere Kleidungsstücke mitgebracht. Die ersten Tauschaktionen fanden im eigenen Atelier statt und dauerten jeweils einen Tag. Schon bald sprach sich das Angebot herum. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda wurde der Anlass von Mal zu Mal grösser.
Bereits nach dem zweiten oder dritten Mal konnte der Kleidertausch in der Aula des Schulhauses durchgeführt werden. Später wechselte der Anlass in den Bären in Süderen. Insgesamt fanden dort rund dreizehn Kleidertausch-Anlässe statt.
Anfangs wurde der Kleidertausch einmal jährlich durchgeführt. Nach der Corona-Zeit nahm die Menge an Kleidern und Waren jedoch deutlich zu, sodass der Anlass schliesslich auf zwei Ausgaben pro Jahr erweitert wurde.
Ein unkompliziertes Konzept
Das bisherige Konzept war bewusst einfach gehalten: Kleidung mitbringen, stöbern, tauschen und neue Lieblingsstücke entdecken. Wer Kleidungsstücke abgeben wollte, konnte diese direkt vorbeibringen oder sich vorgängig melden, damit eine Abholung organisiert werden konnte.
Auch Kaffee und Kuchen waren kostenlos. Der Kleidertausch sollte unkompliziert und für alle zugänglich sein. Im Zentrum stand nie der finanzielle Aspekt, sondern die Freude am Tauschen, an neuen Entdeckungen und am gemeinsamen Erlebnis.
Neue Regelung ab November
Bei der nächsten Ausgabe am 7. November gibt es nun eine Änderung beim Eintritt. Die Veranstaltungszeiten bleiben von 9 bis 16 Uhr bestehen, allerdings wird der Eintritt neu zeitlich gestaffelt.
Wer bereits um 9 Uhr kommt, kann den ganzen Tag bleiben und bezahlt dafür 20 Franken. Damit soll gleichzeitig der grosse Andrang am frühen Morgen etwas besser verteilt werden. Wer um 11.30 Uhr eintrifft, bezahlt 10 Franken. Ab 14 Uhr gilt weiterhin das bisherige Prinzip mit einer Kollekte.
Jugendliche bis 16 Jahre haben freien Eintritt. Ab dem 17. Lebensjahr bezahlen sie den gleichen Beitrag wie Erwachsene.
Um 16 Uhr ist der Kleidertausch definitiv beendet. Anschliessend wird direkt mit dem Aufräumen begonnen.
Warum es neu einen Eintritt gibt
Über viele Jahre war der Kleidertausch für die Besucherinnen und Besucher grundsätzlich kostenlos. Gleichzeitig fallen für die Organisation laufend Kosten an. Mit der Zeit wurde es deshalb immer schwieriger, den Anlass vollständig kostenlos durchzuführen.
Damit standen zwei Möglichkeiten im Raum: aufhören oder etwas Neues ausprobieren. Die Organisatorinnen entschieden sich dafür, die neue Eintrittsregelung zu testen.
Die Hoffnung ist gross, dass die Besucherinnen und Besucher den Anlass weiterhin unterstützen. Schliesslich sei über die Jahre eine grosse Wertschätzung für den Kleidertausch entstanden. Die Befürchtung, dass wegen des neuen Eintritts plötzlich niemand mehr komme, hält sich deshalb in Grenzen.
Viel Arbeit hinter den Kulissen
Ein solcher Anlass entsteht nicht von selbst. Bereits am Freitag ist ein grosses Helferinnenteam im Einsatz. Rund 30 bis 40 Frauen und Männer kümmern sich den ganzen Tag um den Aufbau und die Vorbereitungen – von morgens bis am Abend.
Auch der Samstag ist für diejenigen, die an beiden Tagen mithelfen, intensiv. Kleider müssen sortiert, Ständer aufgestellt und die gesamte Infrastruktur vorbereitet werden. Hinter dem beliebten Kleidertausch steckt deshalb viel freiwillige Arbeit.
Kleider bereits vorgängig abgeben
Wer Kleidungsstücke für den Tausch zur Verfügung stellen möchte, kann diese bereits vorgängig abgeben. Dies ist während der Öffnungszeiten im Bären in Süderen möglich. Alternativ kann telefonisch Kontakt aufgenommen werden, damit eine Abholung organisiert werden kann.
Die Abholungen beschränken sich dabei auf die nähere Umgebung. Es geht darum, die Wege für das Organisationsteam im Rahmen des Möglichen zu halten.
Modeschau: Kreativität kennt keine Grenzen
Ein besonderer Höhepunkt des Kleidertauschs ist die Modeschau ab 13 Uhr. Jede Person kann mitmachen und zeigen, welche kreativen Stücke beim Kleidertausch entdeckt wurden.
Dabei geht es nicht um Perfektion oder darum, einem bestimmten Modetrend zu entsprechen. Vielmehr sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Kreativität freien Lauf lassen, ausgefallene Kombinationen zusammenstellen und einfach Freude haben.
Im Mittelpunkt stehen Spass, Kreativität und das gemeinsame Lachen. Die Modeschau soll ein fröhlicher Moment sein, bei dem gemeinsam neue Outfits ausprobiert und besondere Stücke präsentiert werden.
Blick in die Zukunft
Wie es mit dem Kleidertausch langfristig weitergeht, ist derzeit noch offen. Der aktuelle Standort im Bären in Süderen wird voraussichtlich in zwei Jahren nicht mehr zur Verfügung stehen. Damit muss ein neuer geeigneter Ort gefunden werden.
Als mögliche Alternativen stehen unter anderem Röthenbach oder Hasennäscht im Raum. Einfach wird die Suche allerdings nicht. Der Kleidertausch benötigt viel Platz für zahlreiche Kleiderständer, Kleider und weiteres Material. Zudem muss ein Teil der Infrastruktur zwischengelagert werden können.
Der Bären bot dafür bisher ideale Voraussetzungen.
Trotz dieser Unsicherheiten soll der Kleidertausch auch 2027 stattfinden. Nun gilt es zunächst, die diesjährige Ausgabe erfolgreich durchzuführen und Erfahrungen mit dem neuen Finanzierungsmodell zu sammeln.
Die Idee, die einst mit einigen Foulards und einer kleinen Tauschaktion im eigenen Atelier begann, soll weiterleben: Kleidung soll nicht einfach weggeworfen werden, sondern eine zweite Chance bekommen. Und genauso wichtig bleibt das, was den Kleidertausch seit Beginn ausmacht – Begegnungen, Kreativität, gemeinsames Lachen und die Freude am Tauschen.
Text: Reto Schneider, RegioBeo Fotos: Kleidertausch Süderen













