Lama&Co: Wo Tiere ein Zuhause fürs Leben finden
Hugo Frieden und seine Tiere – eine besondere Verbindung zwischen Mensch, Natur und Tier
Auf rund 1500 Metern über Meer, vis-à-vis des Jaunpasses, liegt ein besonderer Ort im Simmental. Hier leben Hugo Frieden und seine Frau gemeinsam mit ihren Tieren – weitgehend unabhängig, mitten in der Natur und fernab des touristischen Trubels. Was heute unter Lama&Co als persönliches Natur- und Tiererlebnis angeboten wird, ist aus einer über 20-jährigen Geschichte, viel Leidenschaft und einer besonderen Philosophie entstanden.
Hugo Frieden, geboren am 22. Dezember 1969, wuchs selbst auf einem kleinen Bergheimetli mit Kühen und Ziegen auf. Die Verbindung zur Landwirtschaft, zu Tieren und zur Bergwelt wurde ihm damit schon früh mitgegeben. Nach seiner Ausbildung zum Zimmermann und vielen Jahren Berufserfahrung zog es ihn jedoch zunächst in die Ferne.
1997 verliess er die Schweiz und ging nach Honduras. Dort leitete er gemeinsam mit Udo Wittemann eine Dschungel-Lodge und arbeitete im Adventure-Tourismus. Regenwaldtouren, Riverrafting, Übernachtungen und weitere Abenteuer gehörten zu seinem Alltag. Doch der Hurrikan Mitch veränderte vieles und führte schliesslich dazu, dass Hugo in die Schweiz zurückkehrte.
Während einer Reise nach Peru im Jahr 2001 beschäftigte er sich intensiver mit Lamas. Dabei entstand eine besondere Faszination für diese Tiere – eine Faszination, die ihn bis heute begleitet.
Ein neuer Anfang im Simmental
2003 zog Hugo Frieden mit seiner Familie auf den ehemaligen Alp-Betrieb im Simmental. Der Anfang war alles andere als komfortabel. Die Pferde lebten zunächst provisorisch im alten Kuhstall. Schnee drang durch die Ritzen, das Wasser kam nur am Brunnen und die Toilette lag ausserhalb des Hauses.
Gemeinsam mit zwei Hunden und Katzen lebte die Familie zunächst auf engstem Raum. Schritt für Schritt wurde aus der einfachen Unterkunft ein Zuhause. 2004 entstand ein grosszügiger Offenstall für die Tiere. Aus der ehemaligen Weidehütte wurde über die Jahre ein richtiges Wohnhaus.
Heute ist der Hof nicht nur das Zuhause der Familie, sondern auch ein kleines Paradies für die Tiere. Quellwasser, eine eigene Solaranlage mit Speicher und eine weitgehend autonome Lebensweise gehören ebenso dazu wie die enge Verbindung zur Natur.
Aus einer Idee wird eine Lebensaufgabe
Als Hugos Eltern pensioniert wurden, übernahm er den kleinen Berghof. Gemeinsam entstand die Idee, Lama- und Geissentrekking anzubieten. Was zunächst Schritt für Schritt aufgebaut wurde, entwickelte sich über die Jahre zu Hugos Hauptberuf.
Seit rund 21 Jahren begleitet er Menschen mit seinen Tieren durch die Bergwelt. Dabei geht es ihm nicht darum, möglichst viele Gäste möglichst schnell durch die Landschaft zu führen. Im Gegenteil: Hugo Frieden setzt bewusst auf kleine Gruppen und persönliche Erlebnisse.
Eine Tour zum Seebergsee kann beispielsweise viereinhalb bis fünf Stunden dauern. Nur rund zweieinhalb Stunden davon sind reine Gehzeit. Der Rest gehört dem Beobachten, den Pausen, Gesprächen und vor allem dem gemeinsamen Erleben mit den Tieren.
«Es geht nicht nur ums Laufen», beschreibt Hugo seine Philosophie. Die Gäste sollen Zeit haben, die Landschaft wahrzunehmen, die Tiere zu beobachten und einfach einmal zur Ruhe zu kommen.
Tiere, die sonst keinen Platz hätten
Besonders ist auch die Geschichte vieler Tiere auf dem Hof. Hugo Frieden möchte nicht gezielt züchten und versteht seinen Hof auch nicht als klassischen Tierrettungshof. Vielmehr gibt er Tieren ein Zuhause, die sonst häufig keinen geeigneten Platz finden würden.
Dazu gehören insbesondere männliche Lamas, die in Zuchtherden nicht benötigt werden. Zwei Lamas kamen beispielsweise vom Zoo Basel auf den Hof. Auch vier Ponys aus dem Wallis fanden hier gemeinsam ein neues Zuhause, nachdem ihre Besitzer einen Platz gesucht hatten, an dem die Tiere nicht getrennt werden mussten.
Auch Geissböcke gehören zur Tierfamilie. Bereits im Alter von wenigen Monaten werden männliche Tiere häufig nicht mehr benötigt. Hugo Frieden nimmt einige dieser Tiere auf und gibt ihnen eine neue Perspektive.
Seine Philosophie ist dabei einfach und konsequent: Die Tiere dürfen bei ihm leben, müssen bei den Trekkingangeboten ein wenig «arbeiten» und sollen dafür bis ins hohe Alter bleiben dürfen.
Dabei steht für ihn das Tierwohl an erster Stelle. Die Tiere sollen keine «Trekkingmaschinen» werden. Jedes Tier darf seinen eigenen Charakter behalten.
Und dieser Charakter zeigt sich besonders bei den Geissen. Sie können eigenwillig, wild und manchmal durchaus bockig sein. Genau das gehört für Hugo aber dazu.
Natur statt künstlicher Erlebniswelt
Wer den Hof besucht, erlebt keine künstlich inszenierte Natur. Hinter dem Hof beginnt der Wald. Brennnesseln gehören genauso dazu wie Vogelgezwitscher, Ruhe und unberührte Wege.
Obwohl die umliegende Region stark vom Tourismus geprägt ist, findet man hier Orte, an denen kaum andere Menschen unterwegs sind. Gerade Gäste aus touristischen Gebieten wie Gstaad schätzen diese Ruhe.
Die Gäste sollen für einige Stunden aus ihrem Alltag herauskommen. Kein Lärm, kein Zeitdruck – einfach Natur pur.
Lama-Trekking und Fondue
Auch kulinarisch setzt Hugo auf das Erlebnis. Ein klassisches Restaurant gibt es nicht. Im Winter bietet er jedoch unter anderem Lama-Trekking mit anschliessendem Fondue an.
Die Gruppe wandert mit den Lamas zu einer rund zehn Minuten entfernten Alphütte. Die Tiere werden danach in den Stall gebracht, während Hugo das Fondue frisch zubereitet.
Auch hier geht es nicht einfach um eine Mahlzeit. Das gemeinsame Zusammensein, die Hütte, die Tiere und die Umgebung machen den Abend zu einem Erlebnis.
Mehr als Trekking
In über zwei Jahrzehnten hat Hugo Frieden viel über die Arbeit mit Menschen und Tieren gelernt. Dabei wurde ihm immer klarer, dass es bei seinen Angeboten um mehr geht als um eine Wanderung mit einem Lama.
Es geht um Begegnung, Vertrauen und darum, Natur bewusster wahrzunehmen.
Sein heutiges Konzept beschreibt er als personalisiertes Natur-Erlebnis mit Tieren. Ob Einzelperson, Paar, Familie oder kleine Gruppe – das Erlebnis soll zu den Menschen passen.
Dazu gehören auch neue Ideen wie Tier-Patenschaften mit virtuellen Stallbesuchen und regelmässigen Updates. Damit können Menschen auch aus der Ferne Teil dieser besonderen Tierfamilie werden.
Ein Leben, das zur Leidenschaft geworden ist
Hugo Frieden lebt heute genau dort, wo er sich wohlfühlt: in der Natur, mit seinen Tieren und seiner Frau. Sein Wunsch für die Zukunft ist deshalb eigentlich kein grosser materieller Traum.
Er möchte weiterhin in der Natur leben, das Leben geniessen und gleichzeitig Menschen noch stärker für die Natur sensibilisieren.
Vielleicht ist genau das die besondere Stärke von Lama&Co: Hier geht es nicht darum, den Menschen eine künstliche Erlebniswelt zu bieten. Es geht darum, ihnen eine Welt zu zeigen, die bereits da ist.
Eine Welt mit Tieren, Bergen, Wald, Ruhe und Zeit.
Und mittendrin ein Mensch, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat – und dessen Tiere nicht einfach Mittel zum Zweck sind, sondern Teil seiner Familie und seines Lebens.
Lama&Co steht damit für mehr als Lama- und Geissentrekking. Es steht für Begegnung, Tierwohl, Naturverbundenheit und die Möglichkeit, für einige Stunden wieder etwas zu entdecken, das im hektischen Alltag oft verloren geht!
Lama & Co
Text: Regiobeo.ch
Bilder: Lama&Co und Reto Schneider














