Gemeinde Sigriswil blickt auf ein starkes Finanzjahr zurück und stellt wichtige Weichen für die Zukunft
An der Gemeindeversammlung vom Montagabend, 29. Juni 2026, durfte Gemeindepräsident Toni Ambühl insgesamt 92 Stimmberechtigte in der Kirche Sigriswil begrüssen. Trotz des sommerlichen Wetters – beziehungsweise des aufziehenden Unwetters – fanden zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner den Weg an die Versammlung. «Schön, dass trotz des heissen Sommerwetters so viele Leute gekommen sind», sagte Gemeindepräsident Toni Ambühl zur Begrüssung.
Im Mittelpunkt standen die Jahresrechnung 2025 sowie mehrere Millionenprojekte in den Bereichen Strassen, Brücken und Energieversorgung.
Jahresrechnung mit erfreulichem Überschuss
Vizegemeindepräsidentin Heinerika Eggermann Dummermuth präsentierte eine erfreuliche Jahresrechnung. Der Gesamthaushalt schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 583’000 Franken ab. Davon entfallen rund 482’000 Franken auf den allgemeinen Haushalt.
Möglich wurde dieses Resultat insbesondere dank höherer Steuereinnahmen – vor allem bei den Grundstückgewinnsteuern – sowie einer konsequenten Budgetdisziplin in allen Ressorts. Zusätzlich erzielte die Gemeinde höhere Einnahmen aus der Holzbewirtschaftung.
Gleichzeitig wurden ausserordentliche Abschreibungen von rund 858’000 Franken vorgenommen. Ohne diese zusätzlichen Abschreibungen wäre das Jahresergebnis noch deutlich besser ausgefallen. Zudem konnten Rückstellungen für zukünftige Sanierungen an Schulen, Schiessanlagen und weiteren Gemeindeliegenschaften gebildet werden.
Mit einer Umsetzungsquote von 80,7 Prozent investierte die Gemeinde im vergangenen Jahr rund 4,5 Millionen Franken in verschiedene Projekte.
Besonders erfreulich ist die aktuelle Finanzlage: Die Gemeinde könnte sämtliche bestehenden Schulden derzeit vollständig mit eigenen liquiden Mitteln begleichen. Der Gemeinderat wies jedoch darauf hin, dass sich diese Situation aufgrund der zahlreichen geplanten Grossinvestitionen in den kommenden Jahren verändern dürfte.
Die Geschäftsprüfungskommission dankte dem Gemeinderat sowie der Gemeindeverwaltung ausdrücklich für die sorgfältige Rechnungsführung und die gute Zusammenarbeit.
Schwandenstrasse wird umfassend saniert
Einstimmig genehmigte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 900’000 Franken für die Sanierung der Schwandenstrasse zwischen Schwanden und Tschingel.
Auf einer Länge von rund 600 Metern werden der Strassenoberbau, die Entwässerung sowie verschiedene Werkleitungen erneuert. Grund dafür sind starke Spurrillen sowie bauliche Mängel am bestehenden Unterbau. Die Bauarbeiten sind zwischen April und Oktober 2027 vorgesehen. Während der Bauzeit muss mit temporären Einschränkungen gerechnet werden. Der Gemeinderat appellierte an die Bevölkerung, während dieser Zeit gegenseitig Rücksicht zu nehmen.
Ersatzneubau der Husegrabe-Brücke beschlossen
Ein weiteres zentrales Geschäft war der Ersatz der über 120 Jahre alten Husegrabe-Brücke zwischen Endorf und Wiler.
Die bestehende Brücke weist Risse, Wasserschäden und Korrosionsschäden auf und darf heute nur noch mit Fahrzeugen bis 16 Tonnen befahren werden. Für die Ortschaft Wiler stellt sie insbesondere im Winter eine unverzichtbare Verkehrsverbindung dar.
Nach eingehender Prüfung verschiedener Varianten entschied sich der Gemeinderat für einen Ersatzneubau am bestehenden Standort. Zuvor wird eine verschiebbare Hilfsbrücke erstellt, welche den Verkehr bis 40 Tonnen sowie Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende aufnehmen kann.
Die neue Brücke erhält eine Spannweite von 35 Metern und eine Fahrbahnbreite von 5,6 Metern. Sie soll schlicht, funktional und dennoch ästhetisch gestaltet werden.
Sofern sämtliche Bewilligungen planmässig vorliegen, beginnen die Bauarbeiten im Herbst 2026. Die Inbetriebnahme der neuen Brücke ist auf Ende August 2027 vorgesehen.
Der beantragte Kredit von 2,9 Millionen Franken wurde von der Gemeindeversammlung stillschweigend genehmigt. Der Gemeinderat bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen.
Wärmeverbund auf Kurs
Die Gemeindeversammlung nahm zudem die Kreditabrechnung für den Neubau des Wärmeverbunds Sigriswil zur Kenntnis.
Mit der neuen Heizzentrale setzt die Gemeinde konsequent auf den erneuerbaren Energieträger Holz aus der Region. Parallel zum Bau wurde ein Gemeindeunternehmen gegründet, welches künftig den Betrieb übernimmt.
Die Schlussabrechnung beläuft sich auf 3’906’442.86 Franken. Gegenüber dem bewilligten Kredit von 3,6 Millionen Franken entstanden Mehrkosten von rund 306’000 Franken, welche insbesondere auf die allgemeine Teuerung zurückzuführen sind. Der Gemeinderat betonte, dass über sämtliche Kostenentwicklungen jederzeit transparent informiert worden sei.
Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme verfügt die Anlage weiterhin über genügend Kapazitäten, um zusätzliche Liegenschaften innerhalb des bestehenden Versorgungsperimeters anzuschliessen. Bereits geprüft wird ein möglicher Ausbau Richtung Feldstrasse. Finanzielle Prognosen gehen davon aus, dass der Wärmeverbund ab dem dritten Betriebsjahr schwarze Zahlen schreiben wird.
Investitionen von über 36 Millionen Franken geplant
Im Rahmen der Orientierungen informierte der Gemeinderat über die langfristige Finanzplanung.
Für die Planungsperiode 2027 bis 2031 sind Investitionen von insgesamt 36,4 Millionen Franken vorgesehen. Geplant sind unter anderem der Neubau des Gemeindehauses in Zusammenarbeit mit Coop, die Schulraumplanung mit neuer Sporthalle sowie weitere Sanierungen der Gemeindestrassen und Infrastruktur.
Diese Investitionen werden eine Neuverschuldung erforderlich machen. Der Gemeinderat betonte jedoch, dass die heutige Finanzlage eine solide Grundlage bilde und sämtliche Projekte sorgfältig geplant würden.
Zweitwohnungen und Schulraum
Beim Thema Zweitwohnungen arbeitet eine Begleitgruppe derzeit an einem umfassenden Massnahmenpaket. Vorgesehen sind Anpassungen im Kurtaxenreglement, im Baureglement sowie die Einführung eines Reglements über eine Lenkungsabgabe für Zweitwohnungen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung ist für den Herbst geplant.
Ebenfalls vorgestellt wurde der aktuelle Stand der Schulraumplanung. Im November soll der Gemeindeversammlung ein Planungskredit für den Studienauftrag «Schulraumplanung mit Sporthalle Sigriswil» vorgelegt werden. Ziel ist es, die Bevölkerung frühzeitig in die weiteren Planungsschritte einzubeziehen.
Wasserversorgung beschäftigt Randgebiete
Ein Bewohner des Dorfes Reust meldet sich zu Wort und erkundigt sich nach dem Stand des Projekts zur Wasserversorgung von Reust. Die Ortschaft Reust ist das einzige der elf Dörfer, das über keine öffentliche Wasserversorgung verfügt. Aufgrund der anhaltenden Hitze stossen die privaten Quellen teilweise an ihre Grenzen.
Der Betriebsleiter der Wasserversorgungsgenossenschaft der Gemeinde Sigriswil verweist auf das laufende regionale Wasserversorgungsprojekt, an dem sechs Gemeinden sowie verschiedene kantonale Behörden beteiligt sind. Aufgrund der komplexen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Amtsstellen nimmt die Umsetzung entsprechend Zeit in Anspruch.
Quelle: Gemeinde Sigriswil














