Heimatmuseum Obersimmental in Zweisimmen – Geschichte hautnah erleben
Seit der Eröffnung im Juli 1983 lädt das Heimatmuseum Obersimmental in Zweisimmen Besucherinnen und Besucher dazu ein, in die Geschichte und Kultur des Simmentals einzutauchen. Das Museum an der Kirchgasse 11 ist die einzige Einrichtung dieser Art in der Region und vermittelt das Leben vergangener Generationen auf besonders authentische Weise.
Im Gegensatz zu vielen klassischen Museen stehen die Ausstellungsstücke nicht hinter Glas. Sie sind im gesamten historischen Gebäude verteilt und schaffen so die Atmosphäre eines bewohnten Hauses. Dadurch wird Geschichte greifbar und lebendig.
Auch Familien mit Kindern kommen auf ihre Kosten: Gemeinsam mit der Museumsziege «Saani» können die jüngsten Gäste das Museum auf spielerische Weise entdecken. Ein spannendes Quiz führt sie durch die verschiedenen Räume und macht den Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis.
Historisches Gebäude mit einzigartigen Schätzen
Das stattliche Gebäude wurde im 17. Jahrhundert von Salomon Martig erbaut und beherbergt zahlreiche historische Besonderheiten.
Im Untergeschoss befindet sich unter anderem die beeindruckende Kirchturmuhr aus dem Jahr 1856 sowie der Bereich für wechselnde Sonderausstellungen.
Im Obergeschoss erwarten die Besucher eine grosse historische Küche, das Küchenstübli sowie zwei prachtvolle Wohnstuben. Besonders sehenswert sind der Blankenburger Kachelofen und die wertvollen Blankenburger Keramiken.
Das Dachgeschoss vermittelt mit mehreren original eingerichteten Gadenzimmern einen authentischen Eindruck vom früheren Wohnen. Zu den Highlights zählen eine vollständig erhaltene Schuhmacherwerkstatt sowie ein Schlafzimmer mit Einrichtungsgegenständen aus dem 18. Jahrhundert.
Vor dem Museum lädt zudem ein liebevoll gestalteter Mittelaltergarten zum Verweilen ein. Hier erfahren Besucher Wissenswertes über historische Heil- und Nutzpflanzen.
Sonderausstellung 2026
Im Mittelpunkt der diesjährigen Sonderausstellung stehen die Werke des Zweisimmeners Kunstmalers Jules Bernhard Hunziker (1906–1996).
Hunziker gilt als einer der bedeutenden Künstler des Simmentals. Während seiner langen Schaffenszeit entwickelte er einen unverwechselbaren Malstil, bei dem die Farbe eine zentrale Rolle spielte. Sein Leitsatz lautete: «Die Farbe ist für mich wichtiger als die Form.»
Ausgehend von Landschaften und Motiven seiner Heimat erschuf er farbintensive Werke, die weniger eine naturgetreue Darstellung als vielmehr eine eigene künstlerische Wirklichkeit vermitteln. Seine Bilder zeichnen sich durch starke Farbkontraste, leuchtende Kompositionen und eine aussergewöhnliche Ausdruckskraft aus.
Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in das Leben und Werk des Künstlers und würdigt sein Schaffen für die Region Obersimmental.
Ein Besuch im Heimatmuseum Obersimmental verbindet Geschichte, Kultur und Kunst auf eindrucksvolle Weise und bietet für Besucherinnen und Besucher jeden Alters spannende Entdeckungen.
Jules Bernhard Hunziker – Der Maler, der die Farbe über die Form stellte
Mit der Sonderausstellung 2026 würdigt das Heimatmuseum Obersimmental in Zweisimmen einen aussergewöhnlichen Künstler der Region: Jules Bernhard Hunziker (1906–1996). Seine Werke begeistern bis heute durch ihre intensive Farbigkeit und ihre einzigartige Bildsprache.
Hunziker wurde am 8. März 1906 in Zweisimmen geboren und blieb seiner Heimat zeitlebens eng verbunden. Das Simmental mit seinen Bergen, Landschaften und Menschen prägte sein künstlerisches Schaffen nachhaltig. Schon als Kind entdeckte er seine Leidenschaft für das Zeichnen und Malen. Obwohl er gerne Zeichenlehrer geworden wäre, übernahm er auf Wunsch seiner Eltern den familieneigenen Coiffeursalon.
Während seiner beruflichen Wanderjahre lernte er in Genf die Werke bedeutender Landschaftsmaler kennen. Besonders beeindruckte ihn der Künstler Alexandre Calame. Ein weiterer wichtiger Meilenstein war die Begegnung mit dem Maler Albert Nyfeler, der Hunziker in seinem künstlerischen Weg bestärkte und ihm das nötige Selbstvertrauen gab, seine Leidenschaft weiterzuverfolgen.
Die Farbe als zentrales Ausdrucksmittel
In den ersten Jahrzehnten orientierte sich Hunziker noch stark an der Natur und versuchte, Landschaften möglichst naturgetreu festzuhalten. Anfang der 1950er-Jahre vollzog sich jedoch ein entscheidender Wandel in seinem Schaffen.
Sein berühmter Leitsatz «Die Farbe ist für mich wichtiger als die Form» wurde zum Kern seiner künstlerischen Philosophie. Er löste sich zunehmend von der exakten Wiedergabe der Natur und schuf stattdessen eigenständige Bildwelten, in denen Farben Emotionen, Stimmungen und Eindrücke transportieren.
Dabei liess er sich auch von den Gedanken des Philosophen Etienne Gilson inspirieren, der festhielt, dass Kunst nicht die Natur kopiere, sondern eine eigene Wirklichkeit erschaffe. Für Hunziker wurde die Landschaft deshalb zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen Visionen – nicht mehr zum eigentlichen Ziel.
Eigene Farben für einzigartige Bilder
Ständig auf der Suche nach grösserer Leuchtkraft experimentierte Hunziker mit verschiedenen Maltechniken. Nachdem ihn Ölfarben zunehmend unzufrieden stellten, entwickelte er zunächst eigene Pastellkreiden und später sogar Farben auf Harzbasis.
Nach jahrelangen Versuchen gelang es ihm, Farben mit aussergewöhnlicher Intensität und Transparenz herzustellen. Seine Farbpalette bestand aus lediglich zwölf Grundfarben sowie Weiss. Durch geschickte Kombinationen entstanden daraus unzählige Farbabstufungen, ohne dass die Strahlkraft verloren ging.
Besonders charakteristisch für seine Werke ist der Einsatz von Komplementärfarben. Rot und Grün, Gelb und Violett oder Blau und Orange verstärken sich gegenseitig und verleihen seinen Bildern eine aussergewöhnliche Leuchtkraft. So konnten selbst vertraute Landschaften in kräftigem Rot, Blau oder Violett erscheinen, ohne ihren Bezug zur Heimat zu verlieren.
Ein Künstler mit Ausdauer
Der Weg zur Anerkennung war lang. Trotz seines grossen Talents verkaufte Hunziker über viele Jahre kaum Bilder. Seine moderne Ausdrucksweise stiess zunächst auf wenig Verständnis, und zahlreiche Menschen rieten ihm, wieder traditioneller zu malen.
Doch Hunziker blieb seinen Überzeugungen treu und ging keine künstlerischen Kompromisse ein. Erst nach seinem 70. Geburtstag, als er sich vollständig der Malerei widmen konnte, begann sein Werk die verdiente Anerkennung zu finden.
Besonders erfreulich war, dass seine Kunst schliesslich auch in Kirchen Einzug hielt. Glasfenster nach seinen Entwürfen schmücken unter anderem die Kirchen in Flamatt, Goldiwil, Onex sowie das Kirchgemeindehaus in Zweisimmen.
Ein bedeutendes kulturelles Erbe
Jules Bernhard Hunziker zählt heute zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des Simmentals. Seine Werke verbinden Heimatverbundenheit mit einer modernen, eigenständigen Bildsprache und zeigen eindrucksvoll, wie Farbe zum wichtigsten Ausdrucksmittel der Kunst werden kann.
Die Sonderausstellung im Heimatmuseum Obersimmental bietet Besucherinnen und Besuchern die Gelegenheit, das Leben und Schaffen dieses aussergewöhnlichen Malers kennenzulernen und seine eindrucksvollen Werke aus nächster Nähe zu erleben.













